Palmen, Hippie-Bus, Strand, Gitarre, darunter ein unscheinbarer Schriftzug: âWhite Boy Summerâ. OberflĂ€chlich betrachtet Ă€hnelt das T-Shirt der Marke âPatria Ladenâ jener Mainstream-Mode, wie es sie in den groĂen Handels- und Modeketten zu Tausenden gibt: hipper Strandlook, farbenfrohe Abenteuer-Ăsthetik, unpolitische Heile-Welt-Symbolik.
Doch bei âPatria Ladenâ handelt es sich um ein Modelabel aus der rechten Szene, der Slogan âWhite Boy Summerâ ist in rechtsextremen Kreisen ein weitverbreitetes Erkennungssymbol. WĂ€hrend Neonazis und Rechtsextreme in den 1990ern mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke durch die StraĂen marschierten, trĂ€gt die extreme Rechte von heute vielfach Poloshirts und Hipster-Look, die teilweise im Stil von Kampagnen groĂer Modeketten prĂ€sentiert werden.
Und Elke Gaugele, Kulturwissenschaftlerin und Professorin fĂŒr Moden und Styles an der Akademie der bildenden KĂŒnste in Wien, weiĂ auch warum: Die neue Rechte ist seit Langem bemĂŒht, raus aus der Schmuddelecke zu kommen, weg vom Image des pöbelnden Kellernazis, und rein in den Mainstream. Und da Kleider bekanntlich Leute machen, ist Mode ein zentrales Vehikel des neuen Faschismus.
Vom Skinhead bis zum Hipster
Die Idee dahinter ist folgende: Die politische Auseinandersetzung findet nicht nur in AusschĂŒssen, in Parlamenten oder an der Wahlurne statt. Politik ist auch ein âKampf um die Köpfeâ, wie der italienische marxistische Philosoph Antonio Gramsci einst in sein GefĂ€ngnisheft notierte. Ein Kampf um Ideen, Werte, um Kultur und Symbole.
Auch die Rechte hat das lĂ€ngst verstanden. Sie produziert ihre eigene Musik, baut ihre eigenen Medienunternehmen auf, braut mit dem âPils IdentitĂ€râ gar ihr eigenes, âpatriotischesâ Bier. All das ist wissenschaftlich gut untersucht, wĂ€hrend der Bereich rechtsextremer Mode bisher kaum Beachtung fand. âEs ist Zeit fĂŒr eine systematische Untersuchungâ, erklĂ€rt Gaugele. Seit 2023 forschen Gaugele und ihr Team im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts âNeoFashFarRightâ aus Perspektive der Fashion Studies (Modewissenschaften) zur Rolle der Mode fĂŒr die extreme Rechte in Europa und den USA.
WĂ€hrend sich Rechtsextreme in den 1990ern vielfach bestehende Marken, wie etwa Lonsdale, als Szenekleidung aneigneten, begannen sie Anfang der 2000er, eigene Modelabels zu grĂŒnden. Eines der bekanntesten jener Anfangsjahre ist Thor Steinar, das nordische Mythologie (Thor), einschlĂ€gige Nazi-Symbolik (Felix Steinar war ein ehemaliger SS-General) mit subkultureller Ăsthetik, etwa aus dem Bereich der Hooligan- oder der Bikerszene, kombiniert. âThor Steinar hat sehr frĂŒh damit begonnen, die Vielfalt jugendkultureller Stile zu vermarkten, und damit auch Biker oder Surfer abgeholtâ, erklĂ€rt Gaugele die Strategie der Produzenten.