Mikroplastiksuche in Vancouver
Schon in meiner Studienzeit hegte ich den Wunsch, für längere Zeit im Ausland zu leben. Nach meiner Promotion war es endlich so weit. Ich konnte eine Stelle als Research-Cluster- Koordinatorin an der University of British Columbia (UBC) in Vancouver antreten. Diese Tätigkeit ermöglichte es mir, in die Forschungs- und Arbeitswelt der Westküste Nordamerikas einzutauchen und die Abläufe in einem anderen kulturellen Umfeld kennenzulernen.
Der Arbeitsrhythmus an der Universität in Vancouver ist mit dem, den ich in Wien erlebte, gut vergleichbar, aber definitiv anders ist die Kommunikationskultur. Die Kanadier:innen sind schließlich nicht umsonst bekannt für ihre Freundlichkeit. Höflichkeit und Respekt gehen vor, wenn man sich zum Beispiel in einer geordneten Reihe an der Bushaltestelle anstellt oder von den Arbeitskolleg:innen Feedback zu einer Präsentation erhält. Auch meine sozialen Aktivitäten haben sich verändert; die bergige Küste rund um Vancouver hat sich ideal dazu angeboten, neue Freizeitaktivitäten, wie das Skitourengehen oder Surfen, mit einem neuen Freundeskreis auszuprobieren.
Natur als Inspiration
Die wilde und unberührte Natur der Westküste hat mich schließlich auch zu einer neuen Forschungsfrage angeregt: Jährlich verschmutzen wir unseren Planeten mit Millionen von Tonnen an Plastikmüll. Die meisten Plastikarten sind biologisch nicht abbaubar und zerfallen in mikroskopisch kleine Teilchen (Mikro- und Nanoplastik). Aufgrund der geringen Größe und der chemischen Stabilität können sich diese Mikroplastikteilchen in der Umwelt verbreiten, über die Luft transportiert werden und so die von Menschen noch unberührten Gebiete, wie zum Beispiel die kanadische Wildnis, verschmutzen.
Das Projekt
Aufgrund ihrer winzigen Größe stellt der Nachweis von Mikroplastik in der Umwelt eine große Herausforderung dar. In diesem Projekt arbeiten internationale Forschende an der Entwicklung einer Analysemethode, die den zerstörungsfreien Nachweis von Nanoplastikpartikeln ermöglicht. Auf diese Weise können sie die Konzentration und Verteilung dieser Partikel in der Luft bestimmen.
Teresa Seifried unterwegs in Vancouver
Wie sich Mikroplastik ausbreitet
Damit war die neue Forschungsfrage geboren und ich schrieb einen Schrödinger-Antrag: Ich will verstehen, wie sich Mikroplastikpartikel als Aerosole (Partikel in der Luft) in unserer Umwelt verbreiten, wie sie in der Atmosphäre mit der Sonneneinstrahlung altern und wie sie mit atmosphärischen Wolkentropfen interagieren. Dieses fundamentale Wissen soll uns schließlich weiterhelfen, das volle Ausmaß und die Auswirkung der Plastikverschmutzung auf unsere Umwelt und auf das Klima zu verstehen. Mit dieser Forschungsfrage konnte ich mich dank des Schrödinger-Stipendiums des Wissenschaftsfonds FWF zwei Jahre lang intensiv auseinandersetzen und mithilfe meiner Mentoren, Edward Grant und Allan Bertram, eine neue Forschungsrichtung einschlagen.
Innovative Technologien im Einsatz
Durch die neuen Instrumente und Technologien, die ich an der UBC in zwei Laboren erlernte, konnte ich meine Forschungsfrage umfassend bearbeiten. Zu den Methoden zählen hochauflösende Mikroskopie zur Analyse kleinster Mikroplastikpartikel (Nanoplastik), die Simulation atmosphärischer Alterungsprozesse sowie Feldmessungen zur Untersuchung von Mikroplastikemissionen von Reifenabrieb.
Unter anderem ist es uns gelungen zu zeigen, dass Mikroplastikpartikel Eisbildung in Wolkentropfen auslösen können. Diese Wechselwirkung beeinflusst den Transport der Partikel. Darüber hinaus führten wir Studien durch, die belegen, dass Mikroplastik über Reifenabrieb in die Atmosphäre gelangt, insbesondere bei häufigem Stop-and-Go-Verkehr. Mithilfe hochauflösender Mikroskopie konnten wir zudem Nanoplastik aus Plastiktrinkbechern nachweisen.
Während meiner Zeit als Postdoc ist es mir gelungen, ein engagiertes Team von Studierenden sowie einen neuen Forschungsbereich an der UBC aufzubauen. Meine Arbeit führte nicht nur zu wissenschaftlichen Publikationen, sondern hat auch die Forschungsausrichtung im Department of Chemistry nachhaltig geprägt. Auch wenn mir der Abschied schwerfällt, blicke ich mit großer Vorfreude und Spannung meiner Rückkehrphase in Österreich sowie den kommenden Herausforderungen entgegen.