Rita Fürst
Rita Fürst unterwegs in Florida. © Rita Fürst

Der Gedanke Wien zu verlassen, die Stadt in der ich studiert habe, und stattdessen meinen Lebensmittelpunkt für die kommenden zwei Jahre in die amerikanische Kleinstadt Jupiter zu verlegen, hat mich vergangenen August, als ich aufgebrochen bin, um meinen Postdoc zu starten, doch etwas nervös gemacht. Jupiter liegt rund 120 Kilometer nördlich von Miami direkt an der Atlantikküste Floridas. Einmal dort angekommen wurde ich aber sehr schnell davon überzeugt, dass man in Jupiter, wo sich der Florida Campus des Scripps Research Instituts befindet, nicht nur sehr fein leben, sondern auch ausgezeichnet medizinisch-chemische Forschung betreiben kann. Biologen und Chemiker arbeiten hier in sehr enger Zusammenarbeit an der Entwicklung von neuen Arzneistoffen. Mein Postdoc-Projekt in der Arbeitsgruppe von Professor Willliam Roush, hat die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen Arthritis zum Ziel. Es ist für mich als synthetische Chemikerin besonders spannend und zugleich motivierend, dass die Verbindungen, die ich im Labor herstelle, direkt von meinen Kooperationspartnern vor Ort in verschiedenen biologischen Tests auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Die enge Zusammenarbeit und der dynamische Austausch in dem interdisziplinären Bereich zwischen Biologie und Chemie eröffnen völlig neue wissenschaftliche Perspektiven, die mich über den Tellerrand der Synthese-Chemie hinausschauen lassen. All das entspricht genau meinen Erwartungen, die ich an meinen Postdoc-Aufenthalt gestellt hatte.

Eindrücke

Es ist nicht nur die Forschung, die mich über den Atlantik getrieben hat. Eine neue Umgebung zu erkunden und in eine andere Kultur einzutauchen, trägt mindestens im gleichen Ausmaß wie der wissenschaftliche Fortschritt dazu bei, dass die Zeit als Postdoc unvergesslich bleibt. Florida hat neben der Arbeit tatsächlich einiges zu bieten, wobei ich – als ich vergangenen Sommer bei 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent in Jupiter angekommen war – mir ehrlich gesagt nicht sicher war, ob ich mich aus der klimatisierten Wohnung jemals wieder hinausbewegen würde. Der Anblick des Meeres hat mich dennoch schnell überzeugt, dass ich in Jupiter richtig bin. Nach dem anstrengend heißen Sommer kamen die unglaublich lauen und mückenfreien Herbst und Wintermonate, die man hier ausgezeichnet für Kajaktouren nutzen kann.

Florida ist nicht nur von Salzwasser umgeben, sondern auch von Süßwasserkanälen durchzogen, die man mit dem Boot erkunden kann. Es macht Spaß in Gegenden vorzudringen, die man zu Fuß nicht erreichen kann. Allerdings sollte man nicht allzu ängstlich sein, denn man kommt den floridianischen Nationaltieren, den Alligatoren, oft ziemlich nahe. Gemeinsam mit meinen sehr unternehmungsfreudigen Kollegen habe ich schon einige beeindruckende Touren erlebt, die meist mit einem gemeinsamen Barbecue geendet haben.

Keine Angst vor Manatees

Ein weiteres Highlight meines bisherigen Florida-Aufenthalts war die Bekanntschaft mit den Seekühen, auch Manatees genannt. Die aufgrund ihrer Größe sehr beeindruckenden Tiere suchen in den Wintermonaten Zuflucht an der Küste Floridas, um sich vor der Kälte zu schützen. Innerhalb von geführten Touren ist es in dieser Zeit möglich mit den „sanften Riesen“ eine Runde schwimmen zu gehen. Das aktive Berühren der Tiere war uns zwar untersagt, doch die Manatees zeigten keine Scheu und suchten Körperkontakt. Obwohl ich die Ruhe und Gelassenheit in der Natur sehr genieße, vermisse ich das Stadtleben manchmal auch, aber dann ist Miami nicht weit, wo man jederzeit in das Stadt- und Partyleben eintauchen kann. Ich bin froh, dass meine Zeit als Postdoc noch ein paar Monate andauert, denn es gibt hier sowohl wissenschaftlich als auch in der Freizeit noch einiges zu erleben!