Wo bleibt die Gleichberechtigung?
âWir wollten wissen, welchen Einfluss dieser höhere Bildungsstand im Vergleich zum Partner auf den Status der Frau in der Familie hatâ, erlĂ€utert Steiber. Sind hypogame Paare moderner, haben also eine gerechtere Aufteilung der Hausarbeit oder weniger Einkommensungleichheit zwischen ihm und ihr? Verhindert die höhere Bildung den typischen Knick im Einkommen ab dem ersten Kind, der so unschön âchild penaltyâ heiĂt? â,Child penaltyâ bedeutet, dass sich das relative Einkommen der Frau im Haushalt nach dem ersten Kind im Vergleich zum Mann verringertâ, erklĂ€rt die Soziologin. Direkt ĂŒbersetzt werden Frauen fĂŒrs Kinderkriegen also finanziell âbestraftâ.
Der Kinder-Knick
Der Hauptfokus des vierjĂ€hrigen Forschungsprojekts lag auf der sozioökonomischen Entwicklung der Paare. âHier haben wir mit österreichischen Registerdaten gearbeitetâ, so Steiber. âWir haben mit dem Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes begonnen und uns die EinkommensverlĂ€ufe fĂŒnf Jahre davor und 20 Jahre danach angesehen.â
Die âchild penaltyâ fiel bei hypogamen Paaren zwar etwas kleiner aus. âAber sie war noch immer substanziellâ, sagt Steiber. Die durchschnittliche Penalty liegt bei rund 20 Prozent â also der Anteil der Frau zum Paareinkommen sinkt von knapp 50 Prozent vor der Geburt des ersten Kindes auf unter 30 Prozent, wenn das Kind zehn Jahre alt ist. Die Penalty ist bei Frauen mit tertiĂ€rem Abschluss und einem Partner mit Matura oder Lehrabschluss rund 10 Prozentpunkte kleiner â sie liegt aber demnach immer noch bei 10 Prozent (siehe Grafik). âEs ist das gewohnte Muster: Die Frauen gehen nach der Geburt oft in Teilzeit und können den Einkommensnachteil spĂ€ter kaum mehr aufholen.â
Wenn ein zweites Kind kommt, erhöht sich die durchschnittliche Penalty um weitere 12 Prozentpunkte. Zu diesem Thema gab es ein durchaus ĂŒberraschendes Ergebnis: Hypogame Frauen werden mit höherer Wahrscheinlichkeit ein zweites Mal Mutter als Frauen in Beziehungen, in denen der Mann die höhere Bildung hat.