Unterwegs

I ♥ New York

Daniela Pollak unterwegs in New York. Hier in ihrem Forschungsinstitut mit Nobelpreisträger Eric Kandel. Quelle: D. Pollak (alle)
Daniela Pollak

Hätte mich vor drei Jahren, knapp vor meinem Aufbruch nach New York, jemand gefragt, wie lange ich denn bleiben wolle, dann hätte ich wahrscheinlich voller Überzeugung geantwortet: „Für immer!” Seit dem Beginn meines Doktoratsstudiums war mir völlig klar, dass ich meine wissenschaftliche Laufbahn in den USA fortsetzen wollte. Für mich waren damals die Vereinigten Staaten der beste, wenn nicht der einzige Platz, um „wahre Forschung“ zu betreiben. Drei Jahre sind wie im Flug vergangen – obwohl sich, zugegebenermaßen, manche Wochen ohne auch nur einen laborfreien Tag endlos anfühlten (aber so ist das Leben in der Wissenschaft, in den USA genauso wie in Österreich) – und ich freue mich auf meine Rückkehr nach Österreich, mit der hier gewonnenen Überzeugung, dass „wahre Forschung“ nicht an ein bestimmtes Land gebunden ist.

Kühne Ziele verfolgen

„Shoot for the moon, if you miss it, you will still land among the stars“ – das war mein Motto, um mich bei den besten Labors auf meinem Interessensgebiet um eine Postdoc-Stelle zu bewerben. Und so landete ich tatsächlich bei Nobelpreisträger Eric Kandel. Durch mein Leben und meine Erfahrungen hier begann ich zu verstehen, dass gute Forschung mit der richtigen Fragestellung beginnt und dass man so bloß mit analytischem Denken und ein paar technischen Grundlagen einen kleinen, aber doch signifikanten wissenschaftlichen Beitrag leisten kann. Und diese Voraussetzungen trägt man mit sich, egal, wo man sich nun entscheidet zu leben und zu forschen. Eben diese Entscheidung nach der Wahl des „Lebensmittelpunktes“ wurde stark durch meine Erfahrungen in New York geprägt – ich fühlte mich hier zum ersten Mal als Europäerin.

Land und Kultur

Und doch, Amerika ist ein großartiges Land! Befreit von dem formellen Protokoll europäischer Steifheiten („Sag doch nicht Herr Professor zu mir, jeder nennt mich Eric“, so Eric Kandel) kommt man hier ohne Umschweife zur Sache. In dem multinationalen Schmelztiegel eines hochrangigen Labors hat man auch die einzigartige Gelegenheit, Menschen ganz anderer kultureller Hintergründe durch enge Zusammenarbeit kennen und schätzen zu lernen. Auf diese Weise habe ich hier meinen Mann Francisco kennen gelernt. Francisco ist geborener Kolumbianer mit spanischem Pass, und wären wir nicht zufällig beide, aus Liebe zur Wissenschaft, hier an die Columbia Unversity nach New York gekommen, hätten sich unsere Wege wahrscheinlich nie gekreuzt und wir würden wahrscheinlich nicht gerade jetzt zu unserer gemeinsamen Zukunft nach Österreich aufbrechen.

Forschungsideen und Perspektiven

Am Anfang meiner wissenschaftlichen Laufbahn war ich ziemlich besorgt darüber, dass ja schon fast alles „ausgeforscht“ sei und wo ich denn Ideen für den Rest meines Forscherlebens hernehmen sollte. Durch meine Erfahrungen hier, durch die Interaktion mit den „ganz Großen“ bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass wir noch ganz am Anfang unseres Verständnisses auch nur der Grundlagen der meisten biologischen Prozesse stehen. Die bereits bekannten, fundamentalen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind Fragmente die erst die Voraussetzungen dafür liefern, die richtigen Fragen zu stellen. Das Großartige an der Wissenschaft ist eben, dass man bloß ein Modell und passende Experimente entwerfen muss, und schon kann man sich und dem Rest der Welt beweisen, ob die eigenen Ideen näher bei „science“ oder bei „fiction“ lagen.

Allein die Möglichkeit, in einem anderen Land zu leben und eine andere Kultur zu erleben, ist eine Erfahrung von unschätzbarem Wert, für die professionelle wie auch die persönliche Entwicklung. Wenn ich ein Ereignis nennen sollte, das mich während meiner Zeit in den USA besonders beeindruckt, ja sogar geprägt hat, dann war es, miterleben zu dürfen, wie der erste afroamerikanische Präsident ins Weiße Haus einzog! Und so kehre ich zurück nach Österreich mit einer neuen Perspektive, einer anderen Art, mich selbst, meine Zukunft, Österreich – USA, das Konzept von Nationalität, die Wissenschaft – im Allgemeinen und im Speziellen – zu sehen. Dies, gemeinsam mit den wundervollen wissenschaftlichen Publikationen, die mir hier gelangen, wird mich den Rest meines Lebens begleiten.

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