Unterwegs

Nach Madrid ist nur der Himmel schöner

Bernadette Bullinger forscht an der IE University Madrid. Quelle: Privat
IE Busines School Madrid Quelle: Mikhail Bakunin; CC-BY-SA
IE University Madrid Quelle: Privat
Altes Kino Quelle: Privat
Blick auf die Stadt Segovia Quelle: Carlos Delgado; CC-BY-SA
IE Campus Segovia Quelle: Privat
IE Campus Segovia Quelle: IE University

Ich bin im Bereich der Organisationsforschung mit Schwerpunkt auf Human Resource Management tätig und arbeite seit 2011 an der Universität Innsbruck. Davor absolvierte ich mein Doktoratsstudium in Deutschland und verbrachte als Postdoc ein Jahr in Nordengland. Nach drei Jahren in Innsbruck zog es mich wieder in die Ferne. Ich beschloss daher,  mich um ein Erwin-Schrödinger-Stipendium zu bewerben, um an der IE University Madrid forschen zu können, wo ich 2014 bereits vier Wochen zu Gast war. Diese Stippvisite hat mich schließlich zu konkret dieser Institution und zu Madrid hingezogen. – Der Stadt, die sprichwörtlich dem Himmel am nächsten kommt.

Motivierendes wissenschaftliches Umfeld

Einen spanischen Tagesrhythmus, der mich lange Abende im Büro verbringen und frühmorgendliche Termine verabscheuen lässt, hatte ich immer schon. In Spanien entspricht das eher der Norm – das trifft sich gut. Die spanische Siesta ist allerdings in vielen Berufen eine Fiktion. Gerade an der IE University bleibt wenig Zeit für ein Mittagsschläfchen. Ich habe meine Kolleginnen und Kollegen hier als sehr ambitioniert und forschungsgetrieben kennengelernt. Als Privatuniversität legt die IE University ein besonderes Augenmerk auf erstklassige Lehre. – Das Bekenntnis zu Spitzenforschung und Publikationen in Top-Zeitschriften hat dennoch Priorität. Dementsprechend habe ich hier ein motivierendes Arbeitsumfeld vorgefunden, das mich dabei unterstützt, meine Forschung voranzubringen. Aktuell untersuche ich, wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sich in ihren Selbstpräsentationen, sei das in Wort, Bild oder Video, potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darstellen; welche Werte sie vermitteln und welche Erwartungen wiederum an die Bewerberinnen und Bewerber daraus hervorgehen. Gleichzeitig betrachte ich auch die Perspektive der Interessentinnen und Interessenten: Wie kommt die Selbstdarstellung der Arbeitgeber beim Adressaten an? Welche Werte sind potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig und wie präsentieren und sehen sie sich selbst?

Interdisziplinärer Austausch

Auf unterschiedlichen Ebenen empfinde ich meinen Aufenthalt und die neuen Kontakte hier als bereichernd. Natürlich hatte ich schon vor meiner Bewerbung eine Vorstellung, welche Personen ähnliche Forschungsinteressen und -themen haben und dadurch naheliegende Austausch- und Kooperationspartnerinnen und -partner sein könnten. Überraschender für mich selbst war jedoch die Entdeckung, wie belebend das Interesse an bestimmten Forschungsmethoden für den Austausch sein kann. Und auch ganz interdisziplinär haben sich für mich hier interessante Unterhaltungen ergeben, zum Beispiel mit Kommunikations- und Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Gerade in einem Forschungsfeld wie dem meinen, das sich mit Organisationen und Menschen in Organisationen beschäftigt, ist es wichtig, gelegentlich über den Tellerrand der eigenen Disziplin zu schauen.

Ein Besuch lohnt sich

Trotz der Tatsache, dass Madrid die höchstgelegene Hauptstadt Europas ist, vermisse ich oft meinen Arbeitsplatz in den Bergen und meine Innsbrucker Kolleginnen und Kollegen. Die Arbeit an gemeinsamen Projekten hat es mir aber ermöglicht, durch regelmäßige Skype-Gespräche, Treffen bei Konferenzen und wechselseitige Besuche in Innsbruck oder Madrid den Kontakt zu halten. – Das ist wohl ein weiterer Vorteil von Madrid: Kolleginnen und Freunde muss man nicht erst überzeugen, dass sich ein Besuch in Spanien lohnt. Ich erlebe Madrid als eine faszinierende und kulturell sehr vielseitige Stadt. Es ist aber auch eine Stadt, die der Globalisierung – zumindest sprachlich – zu trotzen weiß. Anders als in anderen europäischen Städten kommt man hier nur mit Englisch kaum durch. Sprachkenntnisse machen sich aber nicht nur dadurch bezahlt, dass man am offiziellen „kulturellen“ Leben besser teilnehmen kann, sondern auch dadurch, dass man den Fußball-Kommentatoren im Fernsehen oder den Lebensgeschichten der Greißler folgen kann, die diese nur allzu gern und detailgetreu erzählen.


Mehr Informationen

> Bernadette Bullinger, Universität Innsbruck
> Schrödinger-Projekt: Rekruiting aus neoinstitutionalistischer Perspektive
> IE University Madrid

Kommentare (0)

Aktuell sind keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.