Unterwegs

Nachhaltige Entwicklungen

Schrödinger-Stipendiatin Alice Vadrot forscht an der Cambridge University. Quelle: Judge Business School
University of Cambridge, Selwyn College Quelle: Huangcjz
Fitzwilliam Museum, Cambridge Quelle: N Chadwick
Morgendliches Rudertraining in der Cam Quelle: A. Vadrot
Lauftraining entlang der Cam. Quelle: A. Vadrot
Von den Straßen des Zentrums aus ist der Fluss Cam nicht sichtbar. Der einzige Weg, seine Schätze zu entdecken, ist auf den berühmten „Punts“, kleine Boote, die den Fluss täglich entlangfahren. Quelle: A. Vadrot

Seit Mai 2015 forsche ich als Erwin-Schrödinger-Fellow am Centre for Science and Policy (CSaP) der Universität Cambridge. Nach Abschluss meiner Dissertation im Juni 2013 hatte ich mich dort auf eine Post-Doc-Stelle beworben und das Forscherteam bei einem Hearing, zu welchem ich geladen wurde, kennengelernt. Als Zweitgereihte bekam ich damals die Stelle nicht, jedoch wurde mir unter der Voraussetzung, dass mein Erwin-Schrödinger-Antrag erfolgreich sein würde, ein Arbeitsplatz in Aussicht gestellt. Seit meinem ersten Besuch in Cambridge im Alter von 13 Jahren, träumte ich davon dort eines Tages forschen zu dürfen.

Konfliktzone „Umweltwissen“

Am Beispiel des Weltbiodiversitätsrats IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) untersuchte ich in meiner Dissertation, unter welchen Bedingungen internationale Institutionen wie IPBES entstehen, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Umweltpolitik tätig sind. In meinem jetzigen Projekt beschäftige ich mich mit innerwissenschaftlichen Konflikten innerhalb solcher Institutionen, die dann entstehen, wenn Daten zur Lösung von Umweltfragen, wie etwa zum Erhalt der Biodiversität, in brauchbares und politikrelevantes Wissen transformiert werden.

Zwischen Tradition und Moderne

Seit Antritt meines Stipendiums ist mehr als ein Jahr vergangen und die Eindrücke, die ich bisher sammeln konnte sind vielseitig. Ich arbeite in einem Büro, nicht unweit des Fitzwilliam Museums, dessen mit Säulen und liegenden Löwen bestückte Fassade nicht so recht in das mittelalterlich anmutende Cambridge zu passen scheint. Gemessen an seinen mehr als 120.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, wirkt Cambridge klein und das Zentrum überfüllt. Die 31 Colleges, von denen die ältesten im 13. Jahrhundert gegründet wurden, dominieren das Stadtbild. – Ebenso wie die Cam, jener Fluss, über den die Brücke verläuft, die der Stadt ihren Namen gab. Die Rudertrainings der College und City Clubs  beginnen oft mit Sonnenaufgang und vertreiben die Schwäne, die auch heute noch, außer von der Königsfamilie, von den Fellows des St. John College legal verzehrt werden dürfen. Die Verbindung von Tradition und Innovation ist hier ebenso allgegenwärtig, wie der Drang nach geistiger und körperlicher Hochleistung, Freiheit und Selbstbestimmung. Der Paternalismus wohnt im Individuum selbst. Die Konkurrenz zwischen den Zeilen.

Angekommen

Inzwischen bin ich fester Bestandteil meines Instituts. In einem ersten Gespräch mit dem Institutsleiter, sagte mir dieser, dass er noch nicht abschätzen könne, ob wir zu ähnlich oder zu verschieden denken würden. Inzwischen organisiere ich eine Arbeitsgruppe, die sich zweimal monatlich trifft und konnte universitätsweit Kontakte aufbauen. An der Universität Cambridge zu arbeiten erleichtert die internationale Vernetzung enorm. Ich arbeite eng mit einem Team des Instituts für Zoologie zusammen und habe Kontakte zu einer Forscherin in Cardiff aufgebaut, mit der ich neben einer Publikation auch einen gemeinsamen Workshop organisiere.

Im Forschungs-Flow

Ich konnte bereits einen Großteil meiner Feldforschung abschließen. In Kuala Lumpur habe ich an der vierten Sitzung des Weltbiodiversitätsrates teilgenommen, in Leipzig an einem Treffen von GEO-BON, das die Integration unterschiedlicher Ansätze in der Biodiversitätsforschung zur Erarbeitung politikrelevanten Wissens vorantreiben möchte. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen habe ich zu Beginn des Jahres eine Korrespondenz zur Rolle der Sozialwissenschaften in Nature veröffentlicht. Eine Erfahrung, die ebenso einzigartig ist, wie jene, hier in Cambridge forschen und leben zu dürfen.

Körper, Geist und Freiheit

Fast jeden Morgen laufe ich die Cam entlang und trainiere mehrmals die Woche für die Bumps, eines der wichtigsten Ruderrennen des Jahres. Ich habe mich an das wechselhafte Wetter gewöhnt und meine Strategie zur Überwindung des morgendlichen Fahrradstaus in den engen Gassen der Stadt gefunden. Ich habe gelernt, allgemein verständliche Sätze zu schätzen. Was im kontinentalen Umfeld als mangelnde Intellektualität abgewertet wird, ist hier Voraussetzung für Dialog und Akzeptanz. Die Universität wertet einzelne Forscherinnen und Forscher auf und stellt ein Umfeld zur Verfügung, das motivierend und fordernd ist ohne repressiv zu sein.


Mehr Informationen

> Homepage Alice Vadrot
> Schrödinger-Projekt: Biodiversitätswissen verbessern – Konflikte und Kontroversen
> Erwin-Schrödinger-Programm

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